24/7 für Sie erreichbar

Wir sind jederzeit für Sie erreichbar. Wählen Sie hier Ihren gewünschten Kontaktkanal aus.

Genehmigung für neues Hochspannungsseekabel vom Festland nach Sylt erteilt

17.04.2019

SH Netz investiert rund 16,5 Millionen Euro in Stromversorgung der Insel – Kabel ermöglicht Abbau der letzten 60.000-Volt-Freileitung auf Sylt.

Mit einem technischen Großprojekt wird Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) in diesem Jahr die Stromversorgung von Sylt optimieren und den Abbau einer 60.000-Volt-Freileitung auf der Ferieninsel ermöglichen. „SH Netz wird hierzu für 16,5 Millionen Euro ein neues, 15 Kilometer langes Hochspannungsseekabel rund 800 Meter nördlich des Hindenburgdamms verlegen“, erläutert Dr. Joachim Kabs, Vorstand Netztechnik von Schleswig-Holstein Netz. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung hat jetzt die naturschutzrechtliche Genehmigung für die Erneuerung des Hochspannungsseekabels vom Festland nach Sylt erteilt. Damit ist das Vorhaben von SH Netz zulässig und die Weichen für den Beginn der Arbeiten gestellt.

SH Netz betreibt bislang drei Hochspannungskabel zur Versorgung der Insel Sylt. Zwei Seekabel verlaufen im Hindenburgdamm, ein Seekabel verläuft südlich in unmittelbarer Nähe zum Hindenburgdamm.

Auf der Festlandseite wird das neue Seekabel an die bestehende Schaltanlage von SH Netz im Umspannwerk Lübke-Koog/West angeschlossen. Auf Sylt wird das Seekabel im Bereich der Küste mit einem neu zu verlegenden Hochspannungslandkabel verbunden. Dieses Landkabel wird wiederum an die bestehende Schaltanlage von SH Netz im etwa zwei Kilometer entfernten Umspannwerk Keitum angeschlossen.

Das neue Seekabel wird zwei alte Kabel im Hindenburgdamm ersetzen, die nach der Inbetriebnahme des neuen Seekabels stillgelegt werden. „Die beiden außer Betrieb genommenen Kabel werden vor Ort verbleiben, um die Stabilität des Damms im Hinblick auf den Bahnverkehr nicht zu gefährden“, erklärt Karsten Reimer, zuständiger Projektleiter von SH Netz.

Vorbehaltlich zweier Genehmigungen zur Unterquerung der Bahntrasse mit dem neuen Seekabel einmal auf dem Festland und einmal auf Sylt sowie in Abhängigkeit von Wind, Wetter und Wellengang, wird das neue Seekabel in etwa zwei Wochen im Zeitraum zwischen Juli und September dieses Jahres gelegt. Sobald ein konkreter Zeitplan vorliegt, wird SH Netz darüber informieren.

Das rund 800 Tonnen schwere Seekabel des Herstellers Prysmian Group wird auf dem Seeweg mit einer Barge vom Werk in Pikkala (Finnland) bis kurz vors Festland transportiert. Die Barge wird sich vor dem Festland trockenfallen lassen. Ebenfalls per Schiff wird das Raupenfahrzeug „Nessie“ der Firma Christoffers vors Festland transportiert werden. Damit ist nicht das Seeungeheuer aus Schottland gemeint, sondern ein 18 Meter langes, über zehn Meter breites, 91 Tonnen schweres und mit einem 1214 PS starkem Motor ausgerüstetes Raupenfahrzeug des Typs Nessie V. Ausgestattet mit einem Vibrations-Pflugschwert wird Nessie das neue Seekabel zwischen Festland und Sylt rund 1,5 Meter tief ins Watt „einrütteln“.

Nessie wird im Watt mit der Barge für die Dauer der Legung des Seekabels fest verbunden. Immer bei entsprechendem Wasserstand und Auftrieb wird sich Nessie mit der Barge in Bewegung setzen und das Seekabel weiter ins Watt einpflügen.

„Durch den entsprechenden Auftrieb im Wasser sowie durch die extrem breiten Antriebsketten wird die Bodenbelastung des Wattenmeers pro Quadratzentimeter unter 230 Gramm liegen. Das ist weniger als ein durchs Watt spazierender Erwachsener“, erläutert Karsten Reimer.  

„Im Hinblick auf das Landschaftsbild und den Naturschutz ist besonders hervorzuheben, dass SH Netz anschließend die durch das neue Seekabel ausgediente 60.000-Volt-Freileitung zwischen Morsum und Keitum auf Sylt auf einer Länge von 7,3 Kilometern zurückbauen wird. Sylt wird durch das neue Seekabel ‚freileitungsfrei‘“, sagt Karsten Reimer.