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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ruft Frühwarnstufe des Notfallplans Gas aus – weitere Informationen

 

Derzeit überschlagen sich die Nachrichten im Krieg um die Ukraine und die Gasversorgung in Europa. Das Bundeswirtschaftsministerium hat in diesem Zusammenhang die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen, gleichzeitig aber betont, dass die Gasversorgung derzeit weiter funktioniert. Was das für die Hausanschlusskunden von Schleswig-Holstein Netz bedeutet, können Sie hier nachlesen:

Was bedeutet die vom Wirtschaftsministerium ausgerufene Frühwarnstufe konkret?

Die Frühwarnstufe wurde durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWN) ausgerufen. Es ist die erste der drei Stufen und bedeutet, dass laut Notfallplan Gas formal, dass eine „erhebliche Störung der Gasversorgung“ möglich erscheint, auch wenn diese bislang nicht eingetreten ist. Nach jetzigem Stand läuft die Gasversorgung. Neben der Frühwarnstufe gibt es noch die Alarmstufe und die Notfallstufe. Für Schleswig-Holstein Netz ergeben sich aus der Ausrufung der Frühwarnstufe noch keine zwingenden unmittelbaren Folgen oder Handlungsnotwendigkeiten. Allerdings müssen die sogenannten Fernleitungsnetzbetreiber und Marktgebietsverantwortlichen nun täglich eine Lageeinschätzung an staatliche Stellen abgeben. Das BMWN liefert auf dieser Basis wiederum täglich einen Lagebericht inklusive geplanter Maßnahmen an die EU Kommission.

Wie sind die Rollen in dieser Situation verteilt?

Das Energiewirtschaftsgesetz sieht wie beim Strom eine Trennung zwischen dem Betrieb von Energienetzen (Netzbetrieb) und dem Verkauf von Strom und Gas (Vertrieb) vor. Als Netzbetreiber ist Schleswig-Holstein Netz für den Betrieb der Strom- und Gasnetze zuständig nicht jedoch für den Einkauf von Erdgas. Diese Funktion liegt bei Großhändlern wie beispielsweise Uniper oder RWE, deren Aufgabe die Beschaffung von Erdgas auf dem Weltmarkt und der Weiterverkauf an kleinere Vertriebe und Stadtwerke ist. Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) wie beispielsweise Gasunie oder Gascade sind gemäß Energiewirtschaftsgesetz ENWG für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Gasversorgung verantwortlich. Daher hat der Gesetzgeber die FNB berechtigt und verpflichtet, zur Sicherung der Gasversorgung bestimmte Maßnahmen zu ergreifen.

Was passiert, wenn kein Gas aus Russland mehr geliefert würde?

Würde der Gasdruck in den großen Transportleitungen aufgrund eines Lieferstopps sinken, würde sich das in den unterlagerten Leitungen von Schleswig-Holstein Netz sowie den Stadtwerken fortsetzen. Wie schnell das gehen und wo es stattfinden würde, lässt sich schwer prognostizieren. Das hängt von der jeweiligen Situation ab und wie die Verteilung durch das Zusammenspiel von Bundesregierung und Ferngasbetreibern erfolgt. Wir als Verteilnetzbetreiber Schleswig-Holstein Netz prüfen alle Möglichkeiten, je nach Lage und Netzkonstellation besonders relevante Gasverbraucher auch in einem solchen Fall möglichst lange in der Versorgung halten zu können. Hierfür gibt es Notfallpläne, in denen solche Situation beschrieben ist.

Was sieht der Notfallplan Gas vor?

Im Notfallplan Gas werden die Aufgaben und Rollen von Erdgasversorgungsunternehmen, gewerblichen Gaskunden und Behörden beschrieben. Für eine Gasmangellage beschreibt der Leitfaden ein zweistufiges Vorgehen:

1. Stufe: Bestandsaufnahme von Kapazitäten und ggf. Beschaffung zusätzlicher Kapazitäten

2. Stufe: Operative Umsetzung von Maßnahmen gemäß EnWG. Diese Maßnahmen umfassen Kürzungen von Ausspeisungen.

Sind Kürzungen der Gaslieferungen von Letztverbrauchern nicht mehr zu vermeiden, werden diese grundsätzlich in der folgenden Reihenfolge vorgenommen:

  1. Der Anteil der nicht geschützten Kunden (Gewerbe/Industrie).
  2. Im zweiten Schritt der Anteil der systemrelevanten Gaskraftwerke.
  3. Der Anteil der geschützten Kunden (Haushaltskunden, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Wärmeerzeuger)

Woher stammt das im Norden genutzte Gas?

Rein physikalisch stammt das in Schleswig-Holstein genutzte Gas vor allem aus Russland, Nordwegen und den Niederlanden, weil die deutschen Gas-Großhändler aus diesen Ländern den größten Teil ihres Erdgases beziehen und die entsprechenden Ferngasleitungen und Pipelines hier im Norden ankommen. Im sogenannten Hamburger Ring treffen sich Ferngasleitungen aus Osten, Norden und Westen. Als Gasnetzbetreiber im Verteilnetz wissen wir aber nicht, wo das Erdgas genau herkommt, das wir aus den Netzen der vorgelagerten Ferngas-Netzbetreiber übernehmen und innerhalb unserer mehr als 20.000 Kilometer langen Netze weiter verteilen. Die Herkunft des Erdgases liegt in der Verantwortung der Händler und Gaslieferanten, die bei Großhändlern und Vorlieferanten wie Uniper, RWE oder Wingas einkaufen. Diese wiederum beschaffen das Gas auf den internationalen Märkten.

Wieviel von dem im Norden verbrauchten Gas stammt aus Russland?

Die Zusammensetzung lässt sich regional schwer bestimmen, da zu viele verschiedenen Faktoren zusammenwirken. Dutzende Gashändler nutzen unsere Netze, um  Erdgas an ihre Kunden zu liefern. Jeder dieser Lieferanten hat ein eigenes Beschaffungsportfolio, das sich aus mehreren Vorlieferanten zusammensetzt. Hinzu kommt, dass sich die Fließrichtung des Gases je nach Drucksituation im Netz ändern kann. Am Ende kann man aufgrund der allgemeinen Durchmischung davon ausgehen, dass im Norden über 50 Prozent des Gases aus Russland stammt. Zu weiteren Details der Beschaffung und der Preisentwicklung können wir als Verteilnetzbetreiber nichts sagen.